Ein Wiedersehen mit einer anderen Generation
Rita Wilson rechnet mit ihrer Rückkehr für die Girls-Fortsetzung. Von People nach einer erneuten Beteiligung gefragt, sagte sie, genau das habe sie gehört.
Wilson spielt Evie Michaels, die Mutter von Allison Williams' Marnie. Sie stieß während der zweiten Staffel zur ursprünglichen Serie und kehrte im weiteren Verlauf als Gast zurück. Die ursprüngliche Serie lief von 2012 bis 2017 und begleitete ihre zentralen Freundinnen durch die Zwanziger in New York.
Eine Mutter könnte zu den ergiebigeren Zutaten dieses Wiedersehens gehören. Geschichten über junge Erwachsene behandeln Eltern oft als störende Autorität von außen: als Menschen, die praktische Fragen stellen, während die Hauptfigur gerade eine emotionale Krise beschreiben will. Kehren dieselben Figuren Jahre später zurück, muss sich dieses Verhältnis bewegen. Eine Tochter kann längst mehr Verantwortung tragen und trotzdem feststellen, dass eine einzige Bemerkung ihrer Mutter sie wieder zwanzig werden lässt.
HBO kündigte die begrenzte Rückkehr am 13. Oktober an. Geplant sind fünf Folgen und ein Produktionsbeginn 2027. Lena Dunham, Williams, Jemima Kirke, Zosia Mamet und Andrew Rannells sind erneut dabei. In der offiziellen Mitteilung beschreibt HBO-Comedy-Chefin Amy Gravitt eine Verschiebung von den Zwanzigern der Figuren hin zum vierzigsten Geburtstag.
Damit verändert sich eine wesentliche Grundlage der Komik. Mit zwanzig lässt sich ein unfertiges Leben als vorübergehender Zustand erzählen, so anstrengend dieser auch sein mag. Mit vierzig sehen dieselben Gewohnheiten eher nach Entscheidungen mit Vorgeschichte aus. Eine vertraute Mutterfigur kann diesen Unterschied aufdecken, ohne eine Rede über Reife halten zu müssen. Was jemand nicht besprechen möchte und wer den Grund dafür kennt, erzeugt bereits Druck in der Szene.
Mit dem Alter verschiebt sich die Macht im Raum
Die stärkste Form einer zurückkehrenden Mutter besteht nicht allein darin, der Tochter vorzuhalten, dass sie genauso geworden sei wie sie selbst. Das ist ein verlässlicher Witz, aber ein begrenztes dramatisches Ziel. Interessanter ist die Situation, in der eine Tochter ein Muster erkennt und nicht weiß, ob es für Vererbung, Verständnis oder Kapitulation steht. Eine Komödie darf diese Möglichkeiten nebeneinander bestehen lassen, ohne eine saubere Diagnose zu liefern.
Die Umkehrung muss außerdem in beide Richtungen funktionieren. Eine älter gewordene Mutter sollte nicht das unveränderliche Hindernis bleiben, an dem sich die jüngere Hauptfigur definiert. Auch für sie ist Zeit vergangen; womöglich verändern sich Abhängigkeiten oder ihre Bereitschaft, Ratschläge zu geben. Können die jüngeren Figuren inzwischen ihre Gefühle besser beschreiben, hören sie deshalb noch nicht besser zu. Sprachlich geschicktere Selbstbezogenheit bleibt Selbstbezogenheit. Und sie kann sehr komisch sein.
Fünf Folgen sollten Genauigkeit begünstigen. Ein Wiedersehen, das sämtliche vertrauten Beziehungen aufsuchen möchte, wird schnell zu einer Anwesenheitsliste mit angehängten Szenen. Ergiebiger sind ausgewählte Begegnungen, die das Machtverhältnis verändern. Eine ausgeschlagene Einladung, ein erbetener praktischer Gefallen oder eine Familienentscheidung ohne Rücksprache können Jahre der Veränderung deutlicher zeigen als ein Gespräch, das sämtliche Ereignisse der Zwischenzeit nacherzählt.
Darin läge für Wilsons mögliche Beteiligung ein Zweck jenseits des Wiedererkennens. Evie verbindet Marnies Selbstbild mit jemandem, der sie schon in miteinander unvereinbaren Fassungen erlebt hat. Freunde können stillschweigend beschließen, eine bestimmte Geschichte über das frühere Ich zu bewahren. Eine Mutter erinnert sich vielleicht an das unbequeme Detail, das diese Übereinkunft stört. Komisch wird die Reibung besonders dann, wenn keine Seite allein über die Wahrheit verfügt.
Das Wiedersehen muss die Veränderung bemerken
Für die begrenzte Rückkehr ergibt sich eine größere Aufgabe: Wiedererkennbare Stimmen brauchen andere Umstände, um aufschlussreich zu bleiben. Vertrautheit hilft, wenn wir dadurch eine veränderte Reaktion erkennen. Sie engt ein, wenn jede Figur wieder das Verhalten vorführen muss, durch das sie einmal unverwechselbar wurde. Ein Grund, Menschen erneut zu treffen, besteht gerade darin, dass ein Gespräch nicht mehr denselben Verlauf nimmt wie früher.
Bei Mutter und Tochter lässt sich das besonders genau beobachten. Derselbe spöttische Satz kann liebevoll, kontrollierend oder unerwartet verletzlich wirken, je nachdem, wer inzwischen wen braucht. Folgt eine Fortsetzung diesen Verschiebungen, wird Alter im Rhythmus eines Gesprächs sichtbar. Das wäre ein stärkerer Anlass für die Rückkehr zu Girls als der bloße Nachweis, dass seine Figuren weiterhin Chaos anrichten können.