Zwei Hauptpreise für unterschiedliche Filme
Mohammed Hammads Safe Exit gewann beim neunten El Gouna Film Festival den Golden Star für den besten Spielfilm, wie die Ergebnisliste vom 24. Oktober zeigt. Ahmed Hassounas Citizen Osama erhielt den Golden Star für Dokumentarfilm und zusätzlich den Preis für den besten arabischen langen Dokumentarfilm. Beide Erfolge stammen aus derselben Festivalausgabe, doch unterschiedliche Jurys bewerteten Fiktion und Dokumentation. Das Ergebnis lenkt auf zwei eigenständige Formen, von Leben unter Gewalt zu erzählen.
Eine Preisüberschrift kann verschiedene Werke wie Teile derselben Geschichte aussehen lassen. Hier ist die Trennung wesentlich. Ein geschriebenes Psychodrama kann Zeit um die Erinnerung seiner Figur ordnen; ein Dokumentarfilm folgt einem Menschen, der Ereignisse aufzeichnet, während er sie erlebt. Die Kategorien helfen zu verstehen, was die Regisseure jeweils gestalten und weshalb ihre Auszeichnungen Verschiedenes bedeuten.
Ein Wachmann, der schreiben will
El Gounas frühere Ankündigung beschreibt Samaan als jungen koptischen Wachmann in einem Kairoer Wohnhaus. Er schreibt Geschichten und träumt von einem ersten Roman. Das Filmprofil verbindet sein gegenwärtiges Leben mit dem Trauma, als Kind die Ermordung seines Vaters in Libyen erlebt zu haben. Hammad schrieb und inszenierte den 112-minütigen Film, der 2026 bei der Berlinale Premiere feierte.
Der Wunsch zu schreiben verändert die Ausgangslage. Samaan verdient sein Geld damit, das Kommen und Gehen anderer zu beobachten, möchte aber auch eine eigene Erzählung schaffen. Eine Figur mit einem schöpferischen Ziel hat mehr zu verlieren als Sicherheit oder Einkommen, wenn Erinnerung ihr Leben immer enger macht. Der Gegensatz zwischen Bewachen und Erzählen bietet Hammad eine konkrete Möglichkeit, einen inneren Konflikt auszudrücken, ohne den jungen Mann auf seine Verletzung zu reduzieren.
Warum Citizen Osama dazugehört
Die Produktionsfirma Coorigines beschreibt den Protagonisten von Citizen Osama als Journalisten in Gaza, der seine Arbeit mit Sorgen um die Familie und einer neuen Vaterschaft vereinbaren muss. Sie führt Hassouna als Regisseur und Autor auf sowie Mitwirkende in Gaza und Frankreich für Ton, Schnitt und Produktionskoordination. Der Porträtierte arbeitet selbst mit einer Kamera; das Aufzeichnen gehört damit zu dem Leben, das der Film dokumentiert.
Die Familie ist dabei keine Randnotiz. Die Pflicht eines Reporters lässt sich beruflich beschreiben, doch ein Neugeborenes macht Entscheidungen über Zeit und Gefahr unmittelbar. Im Dokumentarfilm können diese widerstreitenden Verpflichtungen nicht einfach einer erfundenen Figur zugeteilt und nach Bedarf umgestellt werden. Die Produktionsangaben zeigen zudem, dass mehrere Menschen Material aus einer Region sichern und gestalten, in der normale Filmarbeit unter hohem Druck steht.
Der nächste Festivalort
IDFA führt Citizen Osama als 68-minütigen Film aus Palästina und Frankreich im Programm Best of Fests 2026. Für November ist dort eine niederländische Premiere angekündigt. Die Inhaltsangabe zeigt Osama zugleich mit Presseweste und mit den Pflichten eines jungen Vaters. El Gounas Dokumentarpreise liegen somit vor einem weiteren angekündigten öffentlichen Aufführungsort.
Dieser Weg ist wichtig, weil Dokumentarfilme ihr Publikum oft schrittweise erreichen. Festivalprogramme bieten Gespräche und Einführungen, die eine bloße Online-Listung nicht leisten kann. Bei IDFA steht der Film zwischen Arbeiten, die bereits auf anderen Festivals gezeigt wurden; die Auszeichnungen in El Gouna dokumentieren den Blick zweier Jurys näher am regionalen Thema. Beide Kontexte können verschiedene Fragen zu Journalismus, Elternschaft und einer Kamera im Krieg eröffnen.
Eine Konkurrenz besteht aus mehr Filmen
Die offizielle Preisliste nennt außerdem Ali Asgaris A Bit of Light als Gewinner des Silver Star für Spielfilme und Anders Davidsens Stolen Memories als Gewinner des Kurzfilm-Golden-Star. Den Publikumspreis Cinema for Humanity erhielt American Doctor. Diese Werke treten in unterschiedlichen Kategorien an; ihre Titel erweitern den Überblick und bilden keine Rangfolge unter Safe Exit.
Für die Filmsuche ist diese Vielfalt nützlich. Ein Kurzfilm arbeitet in einem anderen Maßstab und Rhythmus als ein langer Film; ein Publikumspreis hält eine andere Art von Reaktion fest als das Urteil einer Jury. Die Abschlussliste kann verschiedene Wege zum späteren Anschauen weisen, wenn die Kategorien erkennbar bleiben. Sonst verschwinden kleinere Werke hinter dem größten Geldpreis und der bekanntesten Festivalbezeichnung.
Was die beiden Hauptfilme verbindet
Safe Exit und Citizen Osama verbindet weniger ein gemeinsames Thema als die Frage, wie jemand weiterlebt, während Gewalt auf alltägliche Pflichten drückt. Samaan arbeitet, beobachtet, erinnert sich und will schreiben. Osama berichtet, sorgt sich um seine Familie und wird Vater. Das sind verschiedene Leben, und die Filme haben ein unterschiedliches Verhältnis zur Wirklichkeit. Beide beginnen aber bei einem Menschen, dessen tägliche Rolle nicht einfach pausiert.
So bekommen die Preise eine greifbarere Bedeutung als eine allgemeine Formel über wichtiges Kino. Die Fiktion kann den Abstand zwischen Samaans Innenleben und dem äußeren Bild eines Wachmanns erkunden; der Dokumentarfilm kann beobachten, wie eine öffentliche Aufgabe auf private Verantwortung trifft. El Gounas Ergebnis macht beide Werke sichtbarer. Ihre konkreten Menschen, Methoden und nächsten Aufführungen sind die Gründe, ihnen zu folgen.