Ein Star fängt wieder bei null an
Did Someone Happen to Mention Me? ist seit dem 22. Oktober bei Netflix zu sehen. Koji Yakusho spielt Gen Takasegawa, einen gefeierten japanischen Schauspieler. Nach seiner Rückkehr von einer Arbeit im Ausland stellt er fest, dass Publikum, Kollegen und scheinbar sogar seine Familie ihn vergessen haben. Der Haupttrailer zeigt Gen im Park und bei dem verzweifelten Versuch, zu Vorsprechen und Filmsets vorzudringen. Sein früherer Ruf öffnet keine Tür mehr. Er muss Arbeit suchen, als wäre er nie berühmt gewesen. Sein Ruhm ist verschwunden, seine Fähigkeiten aber sind geblieben.
Kankuro Kudo schrieb die Originalgeschichte. Fuminori Kaneko, Takuya Sakaue und Atsushi Watanabe inszenieren; Kento Kaku, Kenichi Matsuyama, Noriko Eguchi, Yumi Kawai und Masatoshi Hamada gehören zur Besetzung. Im früheren Teaser sah man Gen am anderen Ende seiner Karriere: gefeiert als König Lear auf einer Londoner Bühne, kurz darauf fragt er, ob jemand seinen Namen erwähnt habe. Das plötzliche Verschwinden aller Anerkennung macht aus dieser nervösen Frage den Motor einer Komödie. Yakusho kann damit zwei sehr unterschiedliche Seiten desselben Mannes spielen.
Die Grundidee wirkt fantastisch, doch ihre praktischen Einzelheiten sind alltäglich. Gen braucht einen Schlafplatz, Vorsprechen und Menschen, die ihn arbeiten lassen. Mit der Erinnerung an Applaus kann er keine Rechnung bezahlen. Der Gegensatz gibt Yakusho Raum zwischen theatralischer Größe und peinlicher Beharrlichkeit. Mit dem Serienstart muss aus dem Trailerwitz eine längere Geschichte werden: Was will Gen, wenn der Ruhm diese Frage nicht mehr für ihn beantwortet? Seine Suche nach kleinen Rollen könnte mehr erzählen als ein weiterer spektakulärer Absturz.
Der Schauspieler unter dem Ruhm
Yakushos Figur hat den Gipfel ihres Berufs erreicht. Vergessenwerden nimmt ihr sozialen Einfluss, aber nicht die Fähigkeit zu spielen. Diese Trennung ist Kudos stärkste Idee. Gen kann versuchen, mit vertrauten Rollen die alte Aufmerksamkeit zurückzugewinnen. Er könnte aber auch entdecken, wie sich Arbeit anfühlt, wenn niemand im Publikum schon vor dem ersten Satz von seiner Bedeutung überzeugt ist. Im ersten Fall verteidigt er ein Bild von sich. Im zweiten muss er sein Handwerk wieder ausüben. Beide Wege können komisch sein.
Die Kostüme und Tätigkeiten im Teaser zeigen einen Schauspieler, der sich wiederholt den Erwartungen anderer anpassen muss. Der große Shakespeare-Auftritt steht neben Obdachlosigkeit, einem bedrohlichen Pelzmantel und der grellen Uniform eines Sauna-Angestellten. Komisch kann Gens verletzter Stolz bei jeder Verwandlung sein. Zugleich zeigt der Wechsel, wie zerbrechlich das Etikett großer Schauspieler wird, sobald niemand es mehr benutzt. Die Verwandlungen geben Yakusho mehr als Verkleidungen. Sie prüfen, ob er eine Rolle spielen kann, ohne dafür als Gen gefeiert zu werden.
Anerkennung ist hier kein belangloses Bedürfnis. Darsteller arbeiten mit einem Publikum; ganz ungesehen wäre ihr Beruf unmöglich. Das Komische liegt in der Verwechslung von Aufmerksamkeit und künstlerischem Wert. Gens Verzweiflung kann zu erfinderischen Auftritten führen oder ihn blind für Kollegen machen, die immer außerhalb seines Scheinwerferlichts standen. Die Serie könnte diesen Unterschied scharf herausarbeiten, ohne ihn zur einfachen Lektion über Bescheidenheit zu machen. Ein Anfang wäre vielleicht, einer anderen Person zuzuhören, statt ihr die Szene zu stehlen.
Andere Menschen wirklich sehen
Die große Nebenbesetzung ist nötig, weil Gens verlorener Status in mehr als einer Beziehung geprüft werden muss. Wenn ihn ein Familienmitglied nicht erkennt, trifft ihn das anders als die Abweisung durch eine Behörde oder ein ignoriertes Vorsprechen. Bekommen die Menschen um ihn herum eigene Interessen, kann jede Begegnung den Witz verändern. Sie sollten nicht nur auftreten, um Gen ein weiteres Mal seine Unsichtbarkeit vorzuführen. Ein Kollege, den er früher übersah, könnte ihm jetzt zeigen, wie er wieder anfangen kann.
Netflix bezeichnet die Serie als schräge Komödie. Yakusho kann sowohl das große Bild eines Stars als auch die Verlegenheit eines Menschen spielen, der um eine kleine Rolle bettelt. Substanz gewinnt die Idee durch die Möglichkeit, dass Gen selbst viele Menschen nie richtig gesehen hat, die er jetzt braucht. Vergessenwerden bliebe schmerzhaft, ohne ihn automatisch von derselben Gewohnheit freizusprechen. Die Umkehr kann treffen und zugleich amüsieren, weil sie persönlich ist und keine Vorlesung über Prominenz.
Netflix zeigt Teaser und Haupttrailer auf eigenen Seiten. Die größte Verheißung liegt darin, einem fähigen Schauspieler dabei zuzusehen, wie er seine Beziehung zum Spielen Rolle für Rolle neu aufbaut. Dieser Weg kann komisch, verletzend und aufschlussreich sein, lange bevor irgendjemand seinen Namen wieder kennt. Selbst eine Hintergrundrolle zählt, wenn Gen endlich die Szene um sich herum wahrnimmt, statt in ihr nur nach einem Beweis für seinen eigenen Platz in der Mitte zu suchen.