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Denzel Washington und Christopher McQuarrie planen einen Thriller für 2027

Ein Kriminalthriller stellt Familienversöhnung neben unerledigte Rechnungen. Der stärkste Konflikt könnte darin liegen, was der Held nicht durch entschlossenes Handeln reparieren kann.

Das Interview verrät wichtige Handlungsentwicklungen in The Way of the Gun.

Ein Actionstar bekommt eine andere Uhr

Denzel Washington soll in einem noch unbetitelten Thriller von Christopher McQuarrie für United Artists und Amazon MGM spielen, berichtet Deadline. Der Kinostart ist für den 1. Oktober 2027 vorgesehen. Er spielt einen früheren Ermittler, der nach einer tödlichen Diagnose aus der Haft entlassen wird und sich seiner Tochter sowie einem unbekannten Enkel annähern möchte.

An dieser Ausgangslage fällt das Zusammentreffen zweier unerledigter Angelegenheiten auf. Ein Kriminalthriller kann die wiederkehrende Vergangenheit zum Anlass für neue Gewalt machen. Eine Familienzusammenführung verlangt etwas weniger Bequemes von ihrem Helden: Menschen zuzuhören, deren Leben in seiner Abwesenheit weiterging. Beide Schwierigkeiten können dieselbe Szene bestimmen, ohne sich durch dieselbe Handlung lösen zu lassen. Genau darin liegt eine produktive Reibung für diesen Film.

Washington bekommt damit ein reizvolles mögliches Hindernis. Autorität ist leicht zu erkennen, wenn eine Figur eine gefährliche Situation unter Kontrolle bringt. Schwieriger wird es, wenn ihr Gegenüber allen Grund hat, diese Hilfe abzulehnen. Eine Tochter schuldet ihrem Vater keine Versöhnung, nur weil die Handlung ihm eine Frist setzt. Ihre Eigenständigkeit zu bewahren, würde der Familiengeschichte echtes Gewicht geben und sie vor bloßer Zweckmäßigkeit schützen.

Auch die Haftvergangenheit verändert eine solche Rückkehr. Dieser Mann hat sich nicht einfach von einer schwierigen Welt zurückgezogen und nun beschlossen, wieder einzutreten. Er war vom gewöhnlichen Leben ausgeschlossen. Neue Nähe muss deshalb eine Lücke gemeinsamer Erfahrungen ebenso überwinden wie verletzte Gefühle. Ein Enkel kann Möglichkeiten eröffnen. Er darf aber nicht nur als Abkürzung dienen, die das schwierigere Verhältnis zur Tochter bequem umgeht.

Was der Vergleich mit Robert McCall bringt

Sonys offizielle Beschreibung von The Equalizer 3 stellt Washingtons Robert McCall als früheren Auftragsmörder vor, der in Süditalien ein Zuhause findet und seine neuen Freunde gegen lokale Verbrecherbosse schützt. Zugehörigkeit und Eingreifen bestärken sich in dieser Anlage gegenseitig: Die Gemeinschaft gibt dem Helden etwas, das er verteidigen kann.

Die neue Ermittlergeschichte bietet einen schärferen möglichen Widerspruch. Eine Familie zu schützen kann bedeuten, ihre Grenzen zu respektieren. Ein erfahrener Thrillerheld gewinnt dagegen meist an Schwung, indem er Grenzen überschreitet. Spannend wird es, wenn gerade jene Entschlossenheit, die gegen eine äußere Gefahr hilft, das Zusammenleben mit ihm erschwert. Eine Fähigkeit kann in einer Beziehung nützen und in einer anderen zum Problem werden.

McQuarrie beschrieb eine aufschlussreiche Veränderung, als er 2015 im Interview mit Den of Geek auf The Way of the Gun zurückblickte. Bis zu Jack Reacher habe ihn das Elternsein gelehrt, anderen Mitwirkenden Erfüllung zu ermöglichen und zugleich die eigene Vorstellung zu schützen. Regie bedeute für ihn ein Verhältnis aus Freiraum und Grenzen. Das ist ein passender Hintergrund für eine Geschichte, in der ein entschlossener Protagonist lernen muss, was ein anderer Mensch benötigt.

Eine Szene versuchter Versöhnung braucht etwas, das der Protagonist vom anderen Menschen nicht erzwingen kann. Eine Bedrohungsszene prüft häufig das Gegenteil: wie wirksam er ein Ergebnis herbeiführen kann. Zwischen diesen Formen zu wechseln, gibt einem Schauspieler Raum für unterschiedliche Rhythmen. Die sichere Antwort aus dem einen Zimmer kann im nächsten völlig unzureichend sein. Dadurch lässt sich die Figur entwickeln, ohne ihre bisherige Kompetenz einfach zu streichen.

Zeit bekommt einen konkreten Preis

Am stärksten wäre die begrenzte Lebenszeit genutzt, wenn sie Entscheidungen gegeneinanderstellt. Die Stunde für eine alte Rechnung fehlt für ein gewöhnliches Gespräch. Eine Reise zum Schutz anderer kann zugleich den vorsichtigen Wiederaufbau von Vertrauen unterbrechen. Das sind greifbare dramatische Kosten. Sie leisten mehr, als in wechselnden Formulierungen immer wieder darauf hinzuweisen, dass dem Mann die Zeit davonläuft und jeder Moment jetzt besonders wichtig sein soll.

Dieser Ansatz könnte auch eine vertraute Abkürzung zur Erlösung vermeiden. Eigenes Leiden begleicht nicht automatisch eine Rechnung mit anderen Menschen. Die Familie kann seine Verletzlichkeit anerkennen, ohne jenes Selbstbild zu akzeptieren, das er hinterlassen möchte. Zuneigung, Groll und praktische Fürsorge nebeneinander bestehen zu lassen, gäbe dem Thriller eine emotionale Struktur, die über einen letzten großen Beweis von Heldentum hinausreicht und auch leisere Begegnungen tragen kann.

Washington und McQuarrie sind als Paarung interessant, weil diese Prämisse souveränem Handeln eine Grenze setzt. Eine entschlossene Tat mag zum Überleben nötig sein und trotzdem nicht genügen, um ein Leben zu reparieren. Hält der Film beide Wahrheiten gleichzeitig im Spiel, kann seine Spannung genau zwischen der Lösung eines Problems und einem erarbeiteten Platz am Tisch eines anderen Menschen entstehen.

Quellen