Im IMAX-Plan klafft eine Lücke
Regal und Cinemark werden Netflix' The Further Mis-Adventures of Cliff Booth nicht auf ihren IMAX-Leinwänden zeigen, berichtete TheWrap am 30. Oktober. Für die geplante US-Auswertung bleibt damit AMC als Kinokette. Netflix nennt weiterhin einen zweiwöchigen IMAX-Einsatz ab dem 25. November und den Streamingstart am 23. Dezember. Die Meldung betrifft die IMAX-Buchungen dieser beiden Betreiber. Sie bedeutet weder, dass der Film abgesagt ist, noch, dass er aus sämtlichen Kinos verschwindet.
Wer David Finchers neuen Film auf der größten Leinwand in der Nähe sehen möchte, merkt den Unterschied sofort. Ein landesweiter Start klingt nach flächendeckender Auswahl. Ob tatsächlich ein Sitzplatz erreichbar ist, entscheiden aber konkrete Verträge und Spielpläne. Hier wird aus einer Ankündigung eine Frage von Fahrtwegen, freien Abenden und Vorführzeiten. Wer einen teilnehmenden IMAX-Saal in der Nähe hat, kann das beabsichtigte Kinoerlebnis bekommen. Andere müssen möglicherweise weiter fahren oder die Heimveröffentlichung wählen. Erst ein konkreter Termin vor Ort macht aus der Werbung einen brauchbaren Plan.
Eine Fortsetzung mit anderem Regisseur
Brad Pitt kehrt als Cliff Booth zurück, der Stuntman aus Once Upon a Time... in Hollywood. Quentin Tarantino schrieb die neue Geschichte, David Fincher führt Regie. Netflix verlegt die Handlung ins Jahr 1977, acht Jahre nach der fiktiven Version von 1969 im ersten Film, und beschreibt Cliff nun als Problemlöser für Hollywood. Elizabeth Debicki, Scott Caan, Carla Gugino und Yahya Abdul-Mateen II gehören zur Besetzung. Für eine Figur, die zunächst an der Seite von Leonardo DiCaprios Rick Dalton stand, ist das ein deutlicher Wechsel.
Die Ausgangslage erklärt, weshalb das große Format reizvoll sein kann, ohne dass größer automatisch besser sein muss. Tarantinos Film machte aus Hollywoodgeschichte einen weiten Spielplatz für eine Freundschaft. Das neue Kapitel setzt eine vertraute Figur in eine veränderte Welt. IMAX könnte ihr räumliche Wucht geben und den Wechsel zum Kinoereignis machen. Entscheidend bleibt jedoch, ob Cliff auch ohne die nostalgische Freundschaft im Mittelpunkt trägt und ob Pitt an ihm eine neue Seite zeigen kann. Das Format sollte die Figur vertiefen und nicht nur die Umgebung vergrößern.
Was die fehlenden Buchungen bedeuten
Zeit und Entfernung wirken bei einem solchen Start zusammen. Man muss sowohl einen teilnehmenden Saal als auch einen passenden Abend finden. Wer nahe an einem solchen Kino wohnt und die Feiertage frei einteilen kann, ist im Vorteil. Ein berühmter Star und zwei markante Filmemacher können die Vorfreude bündeln. Sie schaffen aber keine zusätzlichen Leinwände. Wenn die Fahrt unpraktisch ist, wird eine spätere Sichtung zu Hause zur vernünftigen Wahl. Das wäre kein Beleg dafür, dass das Publikum Kino grundsätzlich ablehnt. Die praktische Hürde beeinflusst die Entscheidung, bevor jemand den Film beurteilen kann.
Regal nannte TheWrap einen konkreten Grund: Kurze Kinofenster beeinflussen die Vergabe seiner wertvollen Premiumsäle. Das erklärt die Position dieser Kette, auch wenn genaue Verhandlungen und die Beweggründe eines weiteren Betreibers hier nicht öffentlich sind. Daraus ein Urteil über Fincher, Tarantino oder Pitt zu bauen, wäre weiterhin voreilig. Beurteilen lässt sich das Angebot an die Zuschauer: Ein Verleiher kann Kinowucht anstreben und zugleich einen baldigen Heimstart ermöglichen. Jede Kinokette entscheidet, ob dieses Modell zum Wert ihrer Säle passt.
Der Film bleibt die eigentliche Probe
Gerade bei Cliff Booth fällt diese Spannung auf, weil das Projekt von Filmgeschichte lebt. Die Figur stammt aus einer Erzählung über eine Branche, die ihre eigenen Mythen liebt. Nun muss ihre Fortsetzung selbst aushandeln, was einen Kinostart zum Ereignis macht. Fincher und Tarantino sind Namen, die einen kurzen Einsatz besonders erscheinen lassen können. Ein Auswertungsplan rahmt aber nur den Film. Ob der ältere Cliff eine starke Geschichte bekommt und ob der Wechsel vom Märchen zur Kriminalhandlung funktioniert, verrät er nicht.
Wer den Film in IMAX sehen möchte, sollte auf den Spielplan vor Ort achten. Ein Datum im Kalender des Verleihers sagt noch nicht, welcher Premiumsaal tatsächlich eine Vorstellung anbietet. Diese Unsicherheit macht die Kinoauswertung selbst zum Teil der Geschichte. Der Sprung zwischen zwei Hollywood-Epochen könnte die künstlerische Idee sein; die ungleichmäßige Verteilung der Säle entscheidet, wer sie zuerst auf einer großen Leinwand erlebt. Für eine Kinoplanung zählt die konkrete Buchung mehr als die allgemeine Ankündigung.