DAS UNABHÄNGIGE FILMJOURNAL · SEIT 2019HorrOctober2026
filmbuZZer
← Zurück zu den NewsNEWS

City of God-Serie kehrt am 8. November mit Staffel zwei zurück

Die sechs neuen Folgen verbinden Lokalpolitik, Rache und Kultur in einem umkämpften Stadtteil.

Die verlinkte HBO-Inhaltsangabe verrät ein Ergebnis der ersten Staffel.

Sechs neue Folgen

City of God: The Fight Rages On startet am 8. November in eine zweite Staffel mit sechs Folgen. Laut HBO läuft sie in den USA bei HBO Latino und ist dort, wo der Dienst angeboten wird, bei HBO Max zu sehen. Neue Folgen erscheinen wöchentlich. Die in Rio de Janeiro und São Paulo gedrehte Fortsetzung begleitet die Gemeinschaft der Cidade de Deus, während Kämpfe um Gebiet, politischen Einfluss und das lokale Leben zunehmen. O2 Filmes produziert, Aly Muritiba führt Regie.

Die Ankündigung deutet auf ein größeres Konfliktfeld als die Jagd zwischen Kriminellen. Ein Gebiet ist kein leerer Preis. Dort wohnen Menschen, wählen, arbeiten und gestalten ihr kulturelles Leben. Wenn eine Serie diese Tätigkeiten sichtbar hält, hat Gewalt konkrete Folgen, statt nur zu einem bekannten Bildstil zu werden. Darin liegt die Chance der zweiten Staffel: Der Stadtteil kann mehr sein als die Kulisse für denjenigen, der gerade eine Waffe trägt.

Drei Wege zu handeln

In HBOs Beschreibung kämpft die von Roberta Rodrigues gespielte Stadträtin Berenice gegen Korruption und den wachsenden Einfluss der Milizen. Die Anwältin Jerusa, gespielt von Andréia Horta, verfolgt eine persönliche Abrechnung. Leka, gespielt von Luellem de Castro, setzt auf Funkmusik, Tanz und Treffen der Nachbarschaft als Formen des Widerstands und der Hoffnung. Die drei Frauen beginnen die neue Staffel mit sehr unterschiedlichen Möglichkeiten, auf den Druck in ihrer Umgebung zu reagieren.

Das sind keine austauschbaren Wege durch dieselbe Handlung. Berenice arbeitet mit öffentlicher Macht, Jerusa mit juristischem Können und persönlichem Anliegen, Leka mit gemeinsam genutzten Räumen und Kultur. Eine starke Staffel kann zeigen, wo sich diese Methoden ergänzen und wo sie zusammenstoßen. Nachbarschaftliches Handeln kann bedroht werden; ein öffentliches Amt kann gegenüber informeller Macht schwach sein. Bekommen alle drei Frauen echte strategische Entscheidungen, muss der Stadtteil nicht als Ort erscheinen, an dem ausschließlich Gewalt etwas bewegt.

Ein Erbe mit Verantwortung

Die Serie setzt die Welt des Films City of God von 2002 fort. Alexandre Rodrigues kehrt zurück; auch Matheus Nachtergaele ist laut HBO in der zweiten Staffel wieder als Cenoura zu sehen. Fernando Meirelles gehört zu den Produzenten, Maíra Oliveira und Paulo Lins leiten das Autorenteam der neuen Folgen.

Eine Fortsetzung eines derart bekannten Films trägt eine doppelte Aufgabe. Vertraute Gesichter schaffen Kontinuität, geben einer heutigen Geschichte aber noch keinen eigenen Zweck. Die neuen Folgen müssen begründen, wessen Perspektive Zeit bekommt und wer die Ereignisse beschreiben darf. Der Ruf des Films verführt zudem dazu, Gefahr als Hauptattraktion zu verkaufen. Die angekündigten politischen und kulturellen Stränge können dagegenhalten: Sie zeigen, was Menschen schützen wollen, nicht nur, was sie bedroht. So könnte die Serie einen eigenen Schwerpunkt finden und aus dem Schatten ihres Vorgängers treten.

Die Bewährungsprobe im Wochenrhythmus

Die erste Folge wurde im Oktober bereits bei einem Festival in Rio gezeigt, bevor der Fernseh- und Streamingstart im November ansteht. HBO plant eine Folge pro Woche. So haben wechselnde Loyalitäten und lokaler Druck sechs Wochen Zeit, sich zu entfalten.

Dieser Rhythmus kann das Gefühl einer lebendigen Gemeinschaft vertiefen oder dünne Wiederholungen bloßlegen. Tauscht jede Folge nur einen Machtanwärter gegen den nächsten aus, werden politische und kulturelle Szenen wie Pausen wirken. Verändern Entscheidungen im Rathaus oder bei einem Nachbarschaftstreffen dagegen das Geschehen auf der Straße, sind diese Stränge selbst die Handlung. Das wäre der ergiebigere Weg, den Namen City of God in ein neues Kapitel zu tragen. Spannung muss Gewalt nicht allein zum Bedeutungsträger machen. Überleben kann auch heißen, Institutionen, Beziehungen und Orte aufzubauen, an denen Menschen sich weiterhin freiwillig begegnen.

Wessen Zukunft zählt

Der Titel verbindet die neue Staffel mit einem berühmten Film. Die Zukunft eines Stadtteils lässt sich aber nicht von einem Kinowerk erben. Sie muss durch die Menschen glaubhaft werden, die jetzt dort leben. Lekas kulturelle Arbeit, Berenices Amt und Jerusas juristisches Wissen bieten verschiedene Entwürfe dieser Zukunft. Keiner reicht allein, und genau darin liegt der Reiz. Lässt die Serie diese Wege miteinander streiten, ohne einen davon zur einzig echten Antwort zu erklären, könnte ihr Bild von Widerstand zugleich spannender und wahrhaftiger werden. Die Gemeinschaft wäre dann keine einheitliche Stimme, sondern ein Ort wirklicher Entscheidungen.

Quellen