Hilfe für Filme im Entstehen
CineGouna Funding verteilte bei der neunten Ausgabe des El Gouna Film Festivals Geld- und Sachleistungen im Wert von mehr als 350.000 Dollar an 16 Projekte. Die Mitteilung vom 22. Oktober nennt außerdem mehr als 140 Einzelgespräche mit möglichen Partnern. Unter den Geförderten sind Stoffe in Entwicklung und Filme, deren Dreharbeiten bereits abgeschlossen sind. Es handelt sich um Projektförderung, nicht um Preise für fertige Festivalfilme.
Die Gesamtsumme zieht Aufmerksamkeit auf sich, aber erst der Stand eines Projekts erklärt, was Hilfe bewirken kann. Vor einem Dreh braucht ein Team Partner, einen tragfähigen Etat und Zeit für Drehbuch oder Recherche. Nach dem Dreh werden Schnitt, Ton und technische Fertigstellung entscheidend. Derselbe Betrag verändert diese beiden Situationen auf unterschiedliche Weise. Deshalb gibt die Trennung von Entwicklung und Postproduktion der Meldung ihren praktischen Sinn.
Zwei Preise an verschiedenen Punkten
CineGouna vergab seinen mit 15.000 Dollar dotierten Entwicklungspreis an Paradise Beach von Regisseurin Zoulikha Tahar. Der gleich hohe Preis für Postproduktion ging an House No. 7 von Regisseurin Rama Abdy. Das sind die beiden zentralen Förderungen der Plattform.
Ein früher Preis kann einer Produktion Zeit verschaffen, bevor ein Team verpflichtet wird: Welchen Umfang trägt der Film, welche Drehorte sind unverzichtbar, und woher kommt das übrige Geld? Bei der Fertigstellung gibt es bereits gedrehtes Material. Hier lassen sich Aufbau und Ton gestalten und eine tatsächlich vorführbare Fassung herstellen. Wer beide Gewinner nur als gleichartige Empfänger einer Summe betrachtet, übersieht ihre jeweils nächsten Entscheidungen.
Wofür die Plattform angelegt ist
Die Programmseite von CineGouna definiert Entwicklungsprojekte als Arbeiten vor Beginn der Hauptdreharbeiten; bei Postproduktionsprojekten ist der Dreh beendet. Angenommen werden lange Spiel- und Dokumentarfilme aus der gesamten arabischen Welt. Die Plattform versteht sich als Labor für Projektentwicklung und Koproduktion, das kreative und finanzielle Unterstützung vermittelt.
Damit sind die mehr als 140 Gespräche mehr als eine Zahl zum Netzwerken. Ein unabhängiger Film braucht womöglich eine Koproduktion, die Risiken teilt, einen Partner mit regionaler Erfahrung oder eine Firma für Bild- und Tonfertigstellung. Diese Beteiligten ersetzen keine Regieentscheidung. Sie helfen, solche Entscheidungen in einem tragfähigen Maßstab umzusetzen. Ein Labor wird dann wertvoll, wenn das passende Gespräch ein konkretes Hindernis beseitigt, nicht wenn alle nur Adressen sammeln.
Egyptian Voices schließt eine andere Lücke
Im August startete das Festival Egyptian Voices für einheimische Projekte in Entwicklung. Nach eigenen Angaben gehen jährlich etwa 100 ägyptische Vorschläge ein; vier zusätzliche Teams wurden für ein nicht wettbewerbliches Training ausgewählt. Im Mittelpunkt stehen Projektmappen, Präsentationen und Produktionspläne für Gespräche mit möglichen Geldgebern.
Das Programm ergänzt die Preisrunde, statt sie zu verdoppeln. Eine starke Filmidee kann an der Finanzierung scheitern, wenn die Unterlagen ihre Umsetzung nicht ausreichend erklären. Wer Etat, Zeitplan und künstlerischen Ansatz genauer fasst, gibt künftigen Partnern eine brauchbare Grundlage zur Entscheidung. Der Nutzen von Egyptian Voices ist deshalb weniger sichtbar als ein Scheck auf einer Bühne, setzt aber vor vielen späteren Zusagen an.
Zugang für vertriebene Filmschaffende
El Gouna, das International Film Festival Rotterdam und der International Emerging Film Talent Fund gründeten außerdem Safe Harbour MENA. Laut ihrer Ankündigung vom September wurden vier innerhalb des Nahen Ostens vertriebene Filmschaffende zu digitalen und persönlichen Trainings, Begegnungen und Projektpräsentationen bei CineGouna eingeladen.
Vertreibung kann jene gewohnten Verbindungen zerreißen, über die Filmschaffende ein Team, Beratung oder eine Produktion finden. Ein Begegnungsprogramm ersetzt kein Zuhause und verspricht keinen fertigen Film, kann einem Projekt jedoch neue Arbeitsbeziehungen eröffnen. Das ist eine andere Hilfe als ein Preis für die Fertigstellung. Der Unterschied zeigt, dass der Zugang zu einem beruflichen Netzwerk selbst eine Ressource für die Produktion ist.
Was diese Förderrunde zeigt
Die 16 ausgezeichneten Projekte, die Teams von Egyptian Voices und die Teilnehmenden an Safe Harbour MENA bilden keine austauschbare Gruppe. Ihre Arbeiten sind unterschiedlich weit, und auch die Hürden vor ihnen unterscheiden sich. Die Hauptpreise geben benannten Filmen Mittel; die ergänzenden Programme helfen bei der Vorstellung von Projekten und beim Aufbau von Beziehungen. So arbeitet der Festivalbereich an mehreren Punkten, bevor ein Publikum eine Eintrittskarte kaufen kann.
Die nächsten greifbaren Ergebnisse werden einzelnen Filmen gehören: ein fertiger Schnitt, eine Koproduktion, eine Festivalpremiere oder ein Verleih. Schon jetzt machen Paradise Beach und House No. 7 die Fördernachricht anschaulich, weil ihre Produktionsphasen klar sind. Die Gesamtsumme beschreibt den Umfang der Runde. Entscheidender ist, ob jedes Team seine spezielle Unterstützung in einen Film mit eigener Form und eigener Stimme übersetzen kann.