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Carrie erhält eine zweite Staffel bei Prime Video

Mike Flanagan und Stephen King führen Carrie White nach den acht Folgen der ersten Staffel weiter.

Stephen Kings verlinkte Romanseite verrät den Ausgang des Abschlussballs.

Die neue Entscheidung

Prime Video hat Mike Flanagans Carrie um eine zweite Staffel verlängert. Amazon bestätigt, dass alle acht Folgen der ersten Staffel verfügbar sind. Summer H. Howell spielt Carrie White, Samantha Sloyan ihre Mutter Margaret. Flanagan ist Showrunner und Autor und führte bei vier Folgen Regie; Stephen King wirkt als ausführender Produzent mit. Die Serie soll damit über ihre erste Begegnung mit der berühmten Romanhandlung hinausgehen.

Das ist mehr als die Verlängerung einer bekannten Horrormarke. Carrie lebt vom Zusammenstoß aus Isolation, religiöser Kontrolle, Grausamkeit in der Schule und einer Jugendlichen, die ihre Kräfte entdeckt. Eine Serie kann den Menschen, die unter diesem Druck handeln, länger folgen als ein einzelner Film. Sie läuft aber auch Gefahr, Carrie zu einer beliebig wiederverwendbaren übernatürlichen Bedrohung zu machen. Die zweite Staffel wird interessant, wenn neue Konflikte aus dem Mädchen im Mittelpunkt entstehen und nicht bloß aus dem Wunsch nach größerem Spektakel.

Was die erste Staffel verändert

Amazon beschreibt eine heutige Schule, in der virales Mobbing und soziale Medien Carries Ausgrenzung verstärken. Howells Carrie kommt nach dem Tod ihres Vaters an eine öffentliche Schule, während Margarets Einfluss zu Hause bestimmend bleibt. King beschreibt die ursprüngliche Figur als jemanden, der seine Macht erstmals spürt; laut seiner eigenen Werkseite erschien der Roman 1974.

Der Wechsel des Umfelds hat dramatisches Gewicht. Ein Gerücht auf dem Flur verletzt, doch ein per Telefon verbreiteter Vorfall verfolgt Jugendliche in jeden Raum und macht Zuschauer zu Beteiligten. Die neue Gegenwart bietet also einen glaubwürdigen Mechanismus für einen alten Konflikt. Entscheidend wird sein, ob die zweite Staffel weiterhin konkrete Entscheidungen innerhalb dieses Mechanismus zeigt. Wird Grausamkeit nur als gesichtslose Menge dargestellt, verschwinden gerade jene Mitschüler, Erwachsenen und kleinen Handlungen, die die Geschichte so schmerzhaft machen.

Eine Fortsetzung mit schwieriger Form

Flanagan erklärte zur Verlängerung, sein Team habe sich von Anfang an eine Geschichte über den Abschlussball hinaus vorgestellt. Auch Kings Kommentar deutet Carries weitere Zukunft an. Eine Handlungsbeschreibung für Staffel zwei liefern beide Aussagen nicht. Bestätigt ist die Verlängerung; Verlauf und Startdatum des nächsten Kapitels stehen noch aus.

Dieser offene Raum kann ein Vorteil sein. Viele Adaptionen bauen darauf, dass das Publikum weiß, wohin Carries Demütigung führt. Ist diese Erwartung einmal eingelöst, muss Spannung aus Folgen und Veränderungen entstehen, nicht aus Wiedererkennung. Wer trägt Verantwortung, wer ändert sich, und kann Carrie noch als Mensch gesehen werden, nachdem andere sie zum Symbol gemacht haben? Daraus entsteht ein Zweck für die Fortsetzung, der über die Wiederholung der Katastrophe hinausgeht. Eine neue Folge braucht eine neue Entscheidung, eine veränderte Beziehung oder eine Folge, die das erste Kapitel noch nicht ausloten konnte. Wiederholte Verfolgung allein ließe die Geschichte um ihren bekanntesten Moment kreisen.

Warum sich die Rückkehr lohnen könnte

Zum Ensemble der ersten Staffel gehören Siena Agudong als Sue Snell, Alison Thornton als Chris Hargensen, Joel Oulette als Tommy Ross und Amber Midthunder als Miss Desjardin. Diese Figuren eröffnen mehr als eine Perspektive auf Carrie. Welche von ihnen in der zweiten Staffel wiederkehren, hat Amazon nicht bekanntgegeben.

Gerade deshalb lohnt es sich, bei der ersten Staffel auf die Nebenfiguren zu achten. Eine Mobberin, ein Mitläufer und eine Erwachsene, die helfen will, können zur gleichen Ereigniskette beitragen und doch unterschiedliche Verantwortung tragen. Erinnert sich das nächste Kapitel an diese Unterschiede, kann das Serienformat Kings Stoff tatsächlich erweitern. Steigert es nur die paranormalen Effekte, bleiben die unangenehmsten menschlichen Fragen liegen. Carrie ist auch deshalb Horror, weil Macht in einer Umgebung ausbricht, die ihre ganz gewöhnliche Macht zuvor schlecht eingesetzt hat.

Woran Veränderung erkennbar wird

Eine Fortsetzung kann zudem das Verhältnis des Publikums zu Carrie verändern. Die erste Begegnung lebt vielleicht von der Angst vor einem bekannten Ereignis; spätere Folgen müssen offenlassen, welcher Mensch sie werden kann. Das ist eine anspruchsvollere Form von Spannung. Sie verlangt Entscheidungen, die weder automatische Rache noch einfache Läuterung sind. Die zweite Staffel hat ihren Platz verdient, wenn Zuschauer sich weiter für Carries eigene Handlungsmacht interessieren, auch dann, wenn sie nicht voraussehen können, wie sie diese einsetzt. Ihre Kräfte allein machen sie noch nicht zur Figur; entscheidend ist, welche Möglichkeiten die Geschichte ihr neben der Eskalation lässt.

Quellen