Ein Vater für Aggies nächste Geschichte
John Goodman verstärkt die zweite Staffel von Netflix’ The Beast in Me als Jack, Vater der von Claire Danes gespielten Autorin Aggie Wiggs. TVLine berichtete am 28. Oktober über die Besetzung; die Fortsetzung war bereits im September bestätigt worden. Jacks Platz in Aggies Familie verändert die Spannung des Thrillers. Er kennt womöglich Teile ihrer Vergangenheit, die ein verdächtiger Fremder erst entdecken müsste. Ihre Beziehung kann sie deshalb anders unter Druck setzen als die Begegnung in der ersten Staffel.
Die Besetzung eröffnet eine andere Art, Aggie unter Druck zu setzen. In der ersten Staffel geriet sie durch ihren reichen Nachbarn in Gefahr. Ein Vater kennt ihre Geschichte womöglich schon, bevor sie entscheiden kann, wie sie diese erzählt. Das macht Jack nicht automatisch zum Gegner. Seine Nähe kann eine Autorin verunsichern, die gewohnt ist, das Leben anderer zu beschreiben. Falls Aggie und Jack sich über die Vergangenheit streiten, könnte ihre Beziehung prüfen, welche Teile der eigenen Geschichte sie überhaupt ansehen will.
Eine Fortsetzung mit schwieriger Aufgabe
The Beast in Me war zunächst als Miniserie angelegt. Eine zweite Staffel muss deshalb mehr leisten, als den Konflikt der ersten mit einem neuen Gesicht zu wiederholen. Netflix setzt Aggie mit Claire Danes erneut ins Zentrum. Bei der Verlängerung nannte der Dienst 43 Millionen Abrufe in den ersten sieben Wochen der ersten Staffel und verwies auf die Aufmerksamkeit bei Preisverleihungen. Das erklärt das Interesse an einer Fortsetzung. Es verrät aber nicht, womit Aggie sich erzählerisch noch auseinandersetzen muss. Publikumserfolg schafft Raum für eine weitere Geschichte; er liefert kein Drehbuch.
Jack könnte helfen, die Identität der Serie zu bewahren und zugleich ihren Antrieb zu verändern. Ein Thriller über einen Fremden lebt häufig von schrittweiser Entdeckung. Bei einer Familie treffen zwei Menschen aufeinander, die sich längst kennen und darüber streiten können, was dieses Wissen bedeutet. Goodmans Rolle könnte schon in einem ruhigen Gespräch Spannung erzeugen. Die Autoren müssen Aggie jedoch einen eigenen Grund zum Handeln geben. Eine zurückkehrende Hauptfigur braucht mehr als jemanden, der ihre Ruhe stört; sie braucht eine neue Entscheidung.
Was Goodman einbringen kann
Goodman hat in seiner langen Laufbahn Wärme und Bedrohung spielen können. Die Besetzungsmeldung sagt jedoch nicht, welche Seiten Jack zeigen wird. Der Titel The Beast in Me verführt dazu, hinter jedem wichtigen Mann ein Monster zu vermuten. Interessanter wäre eine Figur, die aus nachvollziehbaren Gründen schwer einzuordnen bleibt. Eine freundliche Geste kann aufrichtig sein und dennoch eine alte Verpflichtung mitbringen. Ein wütender Streit kann einen echten Vorwurf freilegen, ohne eine Seite vollständig ins Recht zu setzen.
Als Vater gibt Jack Danes zudem einen anderen Spielpartner als der zentrale Nachbar der ersten Staffel. Ein Familienstreit kann rasch zwischen Zuneigung, Gewohnheit und Selbstschutz wechseln. Diese Vielfalt könnte eine Serie erneuern, deren bisherige Spannung stark auf Misstrauen beruhte. Goodman müsste nicht jede Szene beherrschen, um Aggies Entscheidungen zu verändern. Ein kurzes Gespräch, nach dem sie eine Erinnerung neu beurteilt, könnte folgenreicher sein als eine lange Konfrontation. Das ist eine Möglichkeit, die die Besetzung eröffnet, keine Beschreibung bereits angekündigter Szenen.
Die offenen Fragen bleiben offen
Jacks Auftauchen wird interessant, wenn es Aggies Handeln verändert, statt nur einen weiteren möglichen Verdächtigen zu liefern. Ein Vater kann ein Ereignis anders erinnern, das seine erwachsene Tochter seit Jahren auf eine bestimmte Weise erzählt. Er bemerkt vielleicht eine Gewohnheit, die sie längst abgelegt zu haben glaubt, oder verlangt eine Erklärung, die ein Fremder nie einfordern würde. Daraus kann Unruhe entstehen, ohne Jack zum üblichen Bösewicht zu machen. Seine angekündigte Verwandtschaft verrät nicht, ob er Aggie helfen wird. Sie schafft aber jemanden, dessen Erinnerung ihrer eigenen Geschichte widersprechen könnte. Für eine Autorin, deren Wahrnehmung die erste Staffel prägte, ist das ein neuer konkreter Reibungspunkt.
Beurteilen lässt sich vorerst die Richtung der Besetzung. Ein Vater kann in einem Thriller über die Wahrnehmung einer Schriftstellerin jene Geschichte infrage stellen, die Aggie über sich selbst erzählt. Das ist ein sinnvollerer Ansatz als die Spekulation, Goodman werde einen früheren Bösewicht ersetzen. Die zweite Staffel ist bereits bestätigt; diese Nachricht ergänzt sie um eine neue Beziehung. Ihre spätere Stärke wird davon abhängen, ob diese Beziehung Aggies Entscheidungen verändert und der Staffel einen eigenen erzählerischen Grund gibt.