Eine Familienkomödie mit beunruhigender Erfindung
Almost You wird in Glasgow gedreht. Juno Temple, Joey King und James McAvoy gehören zur angekündigten Besetzung. Die Produktionsfirma Homefront nennt Matt Lipsey als Regisseur. Im Mittelpunkt steht Phoebe, eine Robotikingenieurin, deren jüngere Schwester Edie gestorben ist. Aus jahrelangen Nachrichten, Videos und Beiträgen in sozialen Medien baut Phoebe eine lebensechte KI-Version von ihr und verstößt dabei gegen Regeln ihres Arbeitgebers. Das ist eine konkrete dramatische Entscheidung, keine allgemeine Ankündigung eines Films über künstliche Intelligenz. Zunächst spendet die Erfindung Trost. Schwierig wird, was Phoebe daraus macht, sobald die Nachbildung antwortet und Vertrautheit mit wirklicher Nähe verwechselt werden könnte.
Die Idee kann komisch sein, weil Technik oft gerade dann mit völliger Sicherheit auftritt, wenn Menschen unsicher sind. Eine künstliche Edie könnte eine peinliche Familienfrage zu schnell beantworten, ein unpassendes Detail erinnern oder einen früher geliebten Witz im falschen Moment wiederholen. Besonders stark wäre die Spannung, wenn die Nachbildung für ein Familienmitglied richtig klingt und für ein anderes schmerzhaft falsch. Eine aus digitalen Spuren erzeugte Nachbildung kann den Platz eines Menschen nicht einfach übernehmen. Phoebes Bedürfnis ist echt. Doch die scheinbare Vertrautheit des Programms könnte sie daran hindern, zu akzeptieren, dass ihre Beziehung zu Edie sich unwiderruflich verändert hat. Komik könnte diese unangenehme Erkenntnis vermitteln, ohne daraus einen Vortrag oder eine einfache technische Lösung zu machen.
Die Entscheidung hinter der Technik
Phoebes Entscheidung hat eine ethische Seite, die über die technische Leistung der Maschine hinausgeht. Ein Kollege könnte darin eine Ingenieursaufgabe sehen; eine Trauernde sucht nach einer Möglichkeit, ein Gespräch fortzusetzen. Diese Ziele müssen nicht zusammenpassen. Das Programm verarbeitet auch Nachrichten, in denen andere Menschen vorkommen. Seine scheinbare Nähe entsteht also aus Beziehungen, die Edie nie für diesen Zweck angelegt hat. Der Film könnte Zustimmung damit als persönliche Frage behandeln, nicht als abstrakte Warnung vor Datenmissbrauch. Fragt Phoebe, ob sie das Archiv verwenden darf, muss sie auch fragen, wer für Edie antworten kann. Dafür braucht es keinen bösen Konzern. Der stärkste Konflikt liegt womöglich zwischen zwei verständlichen Wünschen: die Spuren eines Lebens zu bewahren und dieses Leben loszulassen.
Die wichtigste dramatische Probe wäre, ob Phoebe zwischen einer berechneten Antwort und dem unterscheiden kann, was ihre Schwester tatsächlich gewollt hätte. Eine vertraute Stimme oder Redewendung überzeugt vielleicht gerade deshalb, weil Phoebe sie hören möchte. Sie beweist keine fortdauernde Identität. Zeigt der Film diese Lücke, kann seine Science-Fiction-Idee erzählen, wie Trauer unseren Umgang mit Beweisen verändert. Behandelt er die Nachbildung dagegen als einfache Heilung, verliert die angekündigte Frage ihre Schärfe. Diese Frage könnte in einem kleinen Gespräch ebenso stark wirken wie in einem großen technischen Zwischenfall. Phoebe müsste erkennen, ob die erhaltene Stimme ihr bei der Erinnerung hilft oder sie vom Abschied abhält.
Was über die Produktion bekannt ist
Homefront meldet laufende Dreharbeiten in Glasgow und nennt Bankside Films für den weltweiten Verkauf. Damit hat die Produktion einen Weg zu möglichen Käufern. Wie das Publikum den Film später sehen kann, entscheidet sich erst mit konkreten Vereinbarungen. Ein Verkauf in einem Land legt den Weg in einem anderen nicht fest; für Deutschland braucht es einen eigenen Plan. Solche Entscheidungen beeinflussen, wie eine kleine Science-Fiction-Komödie ihr Publikum findet. Man kann die KI-Idee als großen Aufhänger verkaufen. Der emotionale Kern verlangt womöglich eine ruhigere Vorstellung, die erst Phoebe und ihre Beziehung zu Edie zeigt. Besetzung und Grundidee stehen fest. Als nächstes wäre ein Vertriebsvertrag oder Material interessant, das erkennen lässt, wie der Film Trauer und Humor verbindet.
Die Verbindung einer Science-Fiction-Idee mit einem Komödienregisseur könnte Almost You vor steifen Erklärdialogen bewahren. Lipseys Erfahrung mit Fernsehkomödien ist hier relevant: Die Nachbildung muss in alltäglichen Begegnungen zeigen können, was sie beinahe richtig trifft. Temple, King und McAvoy geben dem Projekt bekannte Gesichter. Der stärkere Reiz liegt im Konflikt zwischen einem Menschen, der einen Verlust nicht hinnehmen kann, und einem Gerät, das genau das Vermisste imitieren soll. Erst mit Material aus dem Film lässt sich beurteilen, ob er darüber lachen kann und den Schmerz dennoch ernst nimmt. Bisher ist die Prämisse ein Versprechen auf eine Frage, nicht ihre Antwort.