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Adelaide Film Festival vergibt vier Jurypreise 2026

The Smell of Apples, The Balkan Cowboy, Steal This Story, Please! und Baby Talk gewinnen in vier Sparten.

Vier Preise, vier Formen

Das Adelaide Film Festival hat am 26. Oktober seine Jurypreise 2026 bekannt gegeben. John Trengoves The Smell of Apples gewann in der Spielfilmklasse, Dragana Jurišićs The Balkan Cowboy bei den langen Dokumentarfilmen. Der Preis für gesellschaftlichen Wandel ging an Steal This Story, Please! von Carl Deal und Tia Lessin; Lizzie Caters Baby Talk gewann bei den Kurzfilmen. Für die beiden langen Filme nennt das Festival jeweils 10.000 australische Dollar, für die weiteren Sparten 5.000 beziehungsweise 3.000 Dollar. Das sind vergebene Preise, keine Prognosen oder Nominierungen. Interessant ist die Spannweite: eine Kindheit unter der Apartheid, eine Suche durch jugoslawische Filmgeschichte, ein Porträt unabhängigen Journalismus und eine kleine Geschichte über Heirat und Freundschaft. Die Ergebnisse zeigen mehr als einen einzelnen Favoriten. Gerade weil die Sparten unterschiedliche Aufgaben erfüllen, wäre es falsch, ihre Sieger wie die Plätze einer einzigen Rangliste zu behandeln. Jeder Preis benennt eine andere Stärke des Programms.

Kindheit in einem Unrechtssystem

The Smell of Apples begleitet den elfjährigen Marnus, der 1974 in Südafrika in privilegierten Verhältnissen aufwächst. Laut Festivalprogramm erschüttert ein Streit um eine verschwundene Angelrute sein vertrautes Bild der eigenen Familie und der Ungleichheit um sie herum. Die Verfilmung von Mark Behrs Roman rückt ein gewaltiges politisches System in die begrenzte Sicht eines Kindes. Das ist ein wichtiger erzählerischer Entschluss: Man kann jeden Raum des eigenen Hauses kennen und trotzdem übersehen, auf wessen Arbeit und Benachteiligung das Leben darin beruht. Der Spielfilmpreis würdigt eine Darstellung dieser Kluft zwischen Geborgenheit und Erkenntnis. Zugleich sollte die Geschichte eines Jungen nicht mit einer vollständigen Erklärung der Apartheid verwechselt werden. Ihre Stärke liegt gerade im begrenzten Blick.

Ein Western als Suche nach Erinnerung

The Balkan Cowboy nähert sich der Geschichte auf einem anderen Weg. Die in Dublin lebende Künstlerin und Filmemacherin Jurišić sucht nach Hari Džekson, dessen jugoslawische Western sie als Kind faszinierten. Das Festivalprogramm verbindet diese Suche mit späteren Brüchen in der Region und mit der Frage, was nach einem Krieg von persönlichen Erinnerungen bleibt. Ein Western verspricht gewöhnlich weite Räume und entschlossene Helden. Hier wird die Form zum Anlass zu fragen, wer im Gedächtnis bleibt, was eine lokale Filmkultur bewahrt und welche Erzählungen ein Konflikt verdrängt. Der Dokumentarfilmpreis kann diesem ungewöhnlichen Zugang Aufmerksamkeit verschaffen. Er macht den Film aber nicht zu einer bloßen Geschichtsstunde. Auch die Neugier auf einen halb vergessenen Filmemacher gehört zu seinem Gegenstand.

Die kleineren Sparten zählen

Steal This Story, Please! erhielt den Change Award. Der Dokumentarfilm befasst sich mit der Journalistin Amy Goodman und unabhängiger Berichterstattung. Baby Talk ist ein zwölfminütiger Spielfilm über eine schwangere Frau, die kurz vor ihrer Hochzeit einen Tag mit ihrer besten Freundin verbringt. Inhaltlich verbindet die beiden wenig; nebeneinander zeigen sie jedoch, wie weit das Festival den Begriff filmischer Leistung fasst. Der eine Film fragt nach öffentlicher Arbeit an übersehenen Geschichten, der andere konzentriert sich auf eine private Beziehung und eine Entscheidung. Ein Kurzfilm kann mit wenig Zeit einem Moment großes Gewicht geben. Eine Kategorie für gesellschaftlichen Wandel kann Diskussionen außerhalb des Kinos anstoßen, ohne ihren Gewinner auf eine Botschaft zu reduzieren. Getrennte Jurys und Preise lassen diese Ziele für sich stehen.

Was ein Preis eröffnet

Ein Festivalpreis garantiert weder einen Verleih noch ein breites Publikum oder spätere Auszeichnungen. Er schafft aber einen konkreten neuen Anhaltspunkt für Programmkinos und Menschen, die nach Filmen suchen. Die Ergebnisse aus Adelaide sind auch deshalb nützlich, weil sie vier Werke nach ihrer Form sichtbar machen. Wer Spielfilme, Dokumentationen, kurze Erzählungen oder gesellschaftlich engagiertes Kino sucht, findet unterschiedliche Einstiege. Die weiterführende Frage lautet, was nach dem Festival geschieht. Ein Gewinner braucht Aufführungen und Gespräche, nicht nur einen Lorbeerkranz auf dem Plakat. Vorerst verleiht die Bekanntgabe vom Oktober jedem dieser Filme eine belegbare Leistung und einen Grund, jenseits der lautesten internationalen Werbung hinzusehen. Das gilt besonders für Filme ohne große Werbekampagne: Eine Auszeichnung kann Interesse wecken, doch aus Interesse wird erst durch erreichbare Vorführungen ein Publikum. Darin liegt die nächste Aufgabe für die ausgezeichneten Werke.

Quellen