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The White Reindeer: Begehren verändert die Landschaft

Eine Verwandlung macht aus einer offenen Schneewelt eine persönliche Falle. Der Horror beginnt mit dem Wunsch, begehrt zu werden.

Weite bedeutet nicht automatisch Freiheit. Eine riesige Landschaft kann ein Ort sein, an dem niemand nah genug ist, um zu helfen. The White Reindeer nutzt die Schneeflächen des finnischen Lapplands für eine Geschichte, in der Begehren und Jagd gefährlich zusammenrücken. Anziehung wird selbst Teil der Bedrohung.

In Erik Blombergs Film von 1952 sucht Pirita bei einem Schamanen nach einem Liebesmittel. Sie wird zu einem blutdürstigen Wesen, das die Gestalt eines weißen Rentiers annehmen kann. Das ist die übernatürliche Ausgangslage, keine Auflösung des Endes. Interessant ist das Verhältnis zwischen dem Wunsch und seiner Erfüllung.

Begehrt zu werden reicht nicht

Der Wunsch nach Anziehung klingt einfach, bis sie sich nicht mehr abschalten oder menschlich gestalten lässt. Die Verwandlung verleiht Pirita eine schreckliche Form davon. Zuneigung zu erhalten und unwiderstehliche Macht über andere auszuüben werden zu erkennbar verschiedenen Dingen.

Hier trägt die Märchenform. Das Übernatürliche beantwortet ein verständliches emotionales Bedürfnis, schafft aber keine gesunde Beziehung. Eine magische Lösung kann einen Wunsch wörtlich erfüllen und dabei alles zerstören, was ihn ursprünglich sinnvoll machte.

Wer folgt hier wem?

Ein Rentier gehört zur Landschaft, anders als ein klassischer Eindringling aus dem Gothic-Horror. Die Gefahr erscheint als etwas, das diese Umgebung ohnehin enthält. Das Tier anzusehen, ihm zu folgen und es besitzen zu wollen, wird zu einer verbundenen Bewegung.

Die weiße Gestalt im Schnee schafft zudem einen reizvollen Widerspruch. Sie kann sichtbar sein, ohne sich eindeutig lesen zu lassen. Ihre Form zu erkennen bedeutet noch nicht, ihre Bedeutung zu verstehen. Auch der Zuschauer gewinnt durch das Sehen keinen sicheren Vorsprung.

Der Preis einer wörtlichen Erfüllung

Die Geschichte bloß als Warnung vor dem Wunsch nach Zuneigung zu lesen wäre zu einfach. Aufschlussreicher ist der Handel, der eine menschliche Beziehung in einen unwiderstehlichen Mechanismus verwandelt. Gefährlich ist diese Umwandlung, nicht die Einsamkeit selbst.

Die Landschaft bleibt dabei zugleich schön und gleichgültig. Der Schnee ergreift keine Partei. Er gibt dem Begehren Raum und lässt den Menschen, die ihm folgen, weniger Verstecke.

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