Bei einem Horrorfilm können wir die Augen schließen. Seinen Ton auszublenden ist schwieriger, besonders wenn der Ton selbst die Bedrohung ist. The Shout setzt genau dort an: Ein Fremder kommt in ein englisches Dorf und behauptet, einen tödlichen Schrei zu beherrschen.
Jerzy Skolimowskis Film von 1978 führt ihn in das Leben eines experimentellen Komponisten und dessen Frau. John Hurt, Susannah York und Alan Bates bilden das zentrale Dreieck. Für einen Menschen, der mit Klang arbeitet, ist die Behauptung mehr als ein exotischer Gesellschaftstrick. Das vertraute künstlerische Material bekommt eine Eigenschaft, die sich womöglich nicht gefahrlos überprüfen lässt.
Der Beweis wäre das Problem
Normalerweise beendet ein Beweis den Streit. Funktioniert eine Maschine sichtbar, nimmt die Unsicherheit ab. Bei einer tödlichen Stimme kehrt sich das um. Ist die Behauptung falsch, besteht keine Gefahr. Stimmt sie, kann bereits die Forderung nach einer überzeugenden Vorführung eine furchtbare Entscheidung sein.
Die Neugier ist damit keine zufällige Ablenkung. Sie gehört zu dem, was die Bedrohung benutzen kann. Wer mehr wissen möchte, muss entscheiden, wie viel eigene Gefährdung dafür noch vernünftig erscheint.
Ein Gast übernimmt den Raum
Ein Hausgast verändert ein Zuhause schon vor jedem übernatürlichen Beweis. Gastfreundschaft verschafft Zugang, Aufmerksamkeit und Zeit. Wer überzeugend erzählt, kann die Bedingungen eines Gesprächs bestimmen, weil die Gastgeber die nächste Information unbedingt hören wollen.
Der Fremde beruft sich auf anderswo erworbenes Wissen. Das bleibt seine Behauptung und ist keine Tatsachenaussage über indigene Kulturen. Dramatisch verschafft sie ihm eine Autorität, die seine Gastgeber kaum überprüfen können. Das Geheimnis wird zu seinem Vorteil.
Klang bleibt nicht im Bild
Ein sichtbares Monster nimmt einen Teil der Leinwand ein. Ein bedrohliches Geräusch erreicht dagegen den ganzen Raum. Es lässt sich schwer auf sichere Entfernung bringen. Unser Zuhören wird selbst zur angespannten Handlung.
The Shout behandelt den Ton deshalb als mehr als eine Verzierung unheimlicher Bilder. Hören hat Folgen. Die unangenehme Frage ist nicht nur, was der Fremde kann, sondern warum wir trotzdem mehr von ihm hören möchten.