Das Gesicht, das eigentlich Klarheit schaffen sollte
Ein Fremder im Haus ist beängstigend, weil klar ist, dass er dort nicht hingehört. Der angekündigten Prämisse zufolge stellt Other Mommy ein gemeineres Problem in Aussicht: Bela baut eine Beziehung zu einem unheimlichen Wesen in ihrem Zuhause auf, das ihrer Mutter verblüffend ähnlich sieht. Die vorgestellte Bedrohung dringt nicht einfach in einen vertrauten Raum ein. Sie leiht sich ein vertrautes Gesicht.
Damit wird aus der Frage, wer im Haus ist, eine andere: Kann Bela dem trauen, was sie wiedererkennt? Ein Kind sollte nicht erst prüfen müssen, ob jemand, der wie seine Mutter aussieht, sicher ist. Als Idee lässt die Prämisse genau diese alltägliche Abkürzung zum Vertrauen unzuverlässig erscheinen.
Warum die Doppelung zählt
Jessica Chastain soll sowohl Belas Mutter als auch Other Mommy spielen, die Erscheinungsform des Wesens. Durch diese angekündigte Besetzung ist die Ähnlichkeit mehr als ein Detail der Beschreibung: Beide Rollen werden von derselben Darstellerin verkörpert.
Das gibt dem Film einen prägnanten Grundgedanken, aber noch keine Garantie für einen Schreckmoment. Wenn beide Figuren mit demselben Gesicht auftreten, reicht das Aussehen allein nicht aus, um Geborgenheit von Gefahr zu unterscheiden. Der Horror müsste in der Lücke zwischen dem Wiedererkennen und der Gewissheit liegen, mit wem – oder was – man es zu tun hat.
Eine solche Doppelung kann verstörend bleiben oder zum bloßen Ratespiel werden. Ob der Film Belas Ungewissheit aufrechterhält und was er letztlich aus ihrer Beziehung zu dem Wesen macht, ist noch offen. Daran muss sich die Prämisse messen lassen: Kann ein vertrautes Gesicht auch nach dem ersten Schock des Wiedererkennens verstören?