Ein unsterblicher Mensch müsste alle Zeit der Welt haben. Das bedeutet nicht, dass er sie teilen kann. Ganja & Hess verbindet das Versprechen endlosen Lebens mit einem Hunger, der Selbstgenügsamkeit unmöglich macht. Wer weiter existieren will, braucht weiterhin etwas von anderen.
Bill Gunns Film von 1973 folgt dem Anthropologen Hess Green. Ein alter Dolch verleiht ihm Unsterblichkeit und Blutdurst. Als Ganja nach ihrem Mann sucht, entsteht zwischen ihr und Hess eine Beziehung innerhalb dieses veränderten Zustands. Duane Jones und Marlene Clark spielen das zentrale Paar.
Ein Geschenk mit dauerhaftem Versorgungsproblem
Unsterblichkeit verspricht gewöhnlich die Aufhebung einer Grenze. Die Vampirgeschichte ersetzt sie durch regelmäßigen Unterhalt. Der Tod rückt weg, der Appetit kehrt zurück. Der Körper entkommt scheinbar und bleibt doch auf die Welt angewiesen, die er verbrauchen muss.
Besitz wird dadurch instabil. Haus, Bildung und Wohlstand beseitigen kein Bedürfnis. Privilegien verändern, wie es gestillt wird, machen es aber nicht harmlos. Interessant ist, was solche Vorteile einen Menschen an seiner eigenen Abhängigkeit übersehen lassen.
Eine Beziehung ist keine Heilung
Ganjas Ankunft macht aus einem einsamen Zustand ein gemeinsames Leben. Das ist mehr, als eine weitere mögliche Beute einzuführen. Eine Partnerin kann die Geschichte unterbrechen, die jemand über sich selbst erzählt. Sie bringt eigene Wünsche, Urteile und die Möglichkeit einer Ablehnung mit.
Damit wird auch das romantische Versprechen für immer unbequemer. Endlose Dauer beweist kein gegenseitiges Verständnis. Ein Paar muss weiterhin Macht, Appetit und den Unterschied zwischen Begehren und Benutzen aushandeln. Die abgeschaffte Sterblichkeit übernimmt diese Arbeit nicht.
Die Gestalt des Films zählt
Auch die Veröffentlichungsgeschichte liefert einen Grund zum genauen Hinsehen. Kino Lorber kennzeichnet seine Restaurierung als Gunns ursprüngliche Fassung, im Unterschied zu einem späteren Neuschnitt. Es geht um die Form des Werks, nicht bloß um ein klareres Bild.
Die Vampiridee bleibt hier ergiebig, weil das Übernatürliche die gewöhnlichen Beziehungsfragen nicht beseitigt. Für immer misst Zeit. Ob das verlängerte Leben großzügig, ausbeuterisch, einsam oder überhaupt teilenswert ist, beantwortet es nicht.