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Evil Dead: Warum das Franchise Ash Williams nicht mehr braucht

Evil Dead hat eine Identität jenseits seines bekanntesten Helden gefunden. Figuren und Schauplätze dürfen wechseln, wenn die Horrormechanik bleibt.

Jahrzehntelang waren Evil Dead und Ash Williams praktisch dasselbe. Bruce Campbell, Kettensäge, Schrotflinte, blaues Hemd, absurde Mengen Blut und ein Mann, der auf Dämonen irgendwann ungefähr so genervt reagierte wie andere auf einen kaputten Router.

Das funktionierte hervorragend. Es schuf aber ein offensichtliches Problem: Was ist Evil Dead, wenn Ash nicht mehr mittendrin steht?

Die Antwort kennen wir inzwischen. Ziemlich viel.

Evil Dead von 2013 und Evil Dead Rise haben gezeigt, dass die Reihe eine filmische Identität besitzt, die über ihre berühmteste Figur hinausgeht. Evil Dead Burn setzt das Modell mit einer neuen Familie und einem weiteren Regisseur fort. Ob jede neue Variante überzeugt, ist eine eigene Frage. Ash muss jedenfalls nicht mehr allein beweisen, welches Franchise wir gerade sehen.

Die klügste Entscheidung war, keinen Ersatz-Ash zu bauen

Fede Álvarez hätte 2013 einen einfachen Weg nehmen können: einen anderen Schauspieler besetzen, eine ähnliche Figur erfinden, ein paar Sprüche verteilen und irgendwann eine Kettensäge finden lassen.

Der Film macht etwas anderes. Mia, gespielt von Jane Levy, bringt einen anderen emotionalen Ausgangspunkt mit. Sie ist keine weibliche Ash-Kopie und braucht auch keine zu sein. Ihr Kampf gegen die Deadites gehört zu ihrer eigenen Geschichte.

Das ist wichtiger, als es zunächst wirkt. Ein Franchise bleibt nicht dadurch lebendig, dass es seine beliebteste Figur immer wieder nachbaut. Irgendwann steht da kein Ash Williams mehr, sondern jemand, der sich sehr anstrengt, wie Ash Williams zu wirken. Das Publikum denkt währenddessen an Bruce Campbell.

Ein ziemlich undankbarer Arbeitsplatz. Der Film von 2013 zeigt, dass die grundlegende Mechanik ohne Ash funktioniert.

Was macht Evil Dead überhaupt zu Evil Dead?

Die Reihe besitzt eine erkennbare DNA. Da ist das Buch, beziehungsweise eine seiner Varianten. Da sind Deadites, die Menschen nicht einfach töten, sondern Körper, Erinnerungen und Beziehungen gegen die Überlebenden verwenden. Eine kleine Gruppe gerät immer tiefer in die Isolation, bis gewöhnliche menschliche Problemlösung nicht mehr besonders weit führt.

Dann muss jemand zurückschlagen.

Hinzu kommt die Körperlichkeit des Horrors. Evil Dead will nicht bloß vermitteln, dass etwas weh tut. Die Reihe bringt einen regelmäßig dazu, sich zu fragen, ob das Gezeigte anatomisch überhaupt noch vertretbar ist.

Küchen, Werkzeuge, Haushaltsgegenstände und ganze Räume werden zu Waffen. Die Gewalt steigert sich so weit, dass sie stellenweise wieder am Absurden ankommt. Diese Eigenschaften gehören inzwischen viel tiefer zum Franchise als ein einzelner Protagonist.

Evil Dead Rise entfernte sogar die Hütte

Evil Dead Rise treibt den Versuch weiter. Kein Ash als Hauptfigur und über weite Teile des Films nicht einmal die klassische Waldhütte.

Lee Cronin verlegt den Horror in ein heruntergekommenes Apartmenthaus in Los Angeles und stellt eine Familie ins Zentrum. Auf dem Papier fallen damit zwei der bekanntesten Elemente weg. Trotzdem bleibt der Film unverkennbar Evil Dead.

Das Apartment übernimmt die Funktion der Hütte. Die Figuren sitzen fest. Hilfe ist schwer erreichbar. Das Böse steckt bereits an dem Ort, den sie für sicher halten, und nutzt genau die Beziehungen, die ihnen am meisten bedeuten.

Die Oberfläche verändert sich, die Mechanik darunter bleibt erhalten. Wenn ein Franchise seinen ikonischen Schauplatz entfernen kann und trotzdem erkennbar bleibt, war dieser Schauplatz offenbar nie der einzige Halt.

Jeder Regisseur bekommt einen anderen Zugang

Auch die offizielle Prämisse von Evil Dead Burn beginnt mit anderen Figuren: Nach dem Tod ihres Mannes sucht eine Frau Trost bei dessen Familie. Die Deadites verwandeln das Treffen in etwas erheblich Unangenehmeres. Sébastien Vaniček führt Regie.

Damit bleibt die Reihe offen für unterschiedliche Ansätze. Álvarez machte 2013 einen härteren, unerbittlicheren Film. Cronin verwandelte familiäre Nähe in eine Waffe. Eine weitere Familie schafft für Vaniček einen neuen Ausgangspunkt. Die Prämisse allein beweist natürlich noch nicht, wie gut ein Film funktioniert.

Das Grundmodell ist trotzdem interessant: Solange Deadites, körperliche Eskalation, Isolation und verzweifelter Überlebenskampf bleiben, dürfen andere Dinge wechseln. Mehr Möglichkeiten als sechs Filme über denselben Mann mit derselben Kettensäge.

Ash darf wichtig bleiben, ohne Pflicht zu sein

Das macht Ash nicht unwichtig. Er ist das Gesicht der klassischen Reihe und ein wesentlicher Grund dafür, dass Evil Dead II und Army of Darkness ihre seltsame Mischung aus Horror, Slapstick und heldenhafter Blödheit besitzen.

Gerade deshalb muss er nicht ständig zurückgezerrt werden. Eine Figur wird nicht automatisch ikonischer, weil sie alle paar Jahre für einen trailerfreundlichen Cameo auftaucht. Die jüngeren Filme haben Evil Dead etwas Wertvolleres verschafft: Eigenständigkeit.

Ash Williams kann die Kettensäge wieder aufnehmen. Die Zukunft der Reihe hängt nur nicht mehr davon ab. Für einen Mann, der seit Jahrzehnten von diesem verdammten Buch wegkommen will, ist das wahrscheinlich die bestmögliche Entwicklung.

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Offizieller Trailer

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