Der angesehene Fachmann und der anrüchige Lieferant können so tun, als lebten sie in getrennten Welten. The Body Snatcher fragt, was passiert, wenn die eine von der anderen abhängt. Medizinische Ausbildung benötigt Körper. Irgendjemand muss sie beschaffen. Ein gepflegter Ruf beantwortet nicht, woher sie kommen.
Robert Wises Stevenson-Verfilmung von 1945 gibt Boris Karloff eine auf dieser Abhängigkeit aufgebaute Rolle. Sein Kutscher Gray bedroht die Medizin nicht einfach von außen. Er gehört zu ihren praktischen Abläufen. Ihn loszuwerden ist deshalb schwieriger, als ihn zu verurteilen.
Der saubere Teil des Geschäfts
Ein Beruf kann sich über seinen höchsten Zweck beschreiben. Medizin behandelt Krankheiten und bildet künftige Ärzte aus. Diese Ziele zählen. Sie verleiten aber auch dazu, unbequeme Schritte der Versorgungskette für die Angelegenheit anderer zu halten.
Die Grundidee verweigert diesen Trost. Nimmt der Fachmann weiterhin an, was der Lieferant bringt, hat seine Empörung begrenzte Wirkung. Ein Geschäft wird nicht unschuldig, weil einer seiner Beteiligten besser gekleidet ist oder seinen gesellschaftlichen Nutzen überzeugender erklärt.
Wissen verändert die Macht
Gray kennt die Abläufe. Dieses Wissen untergräbt den Abstand, den sein Auftraggeber zwischen öffentlichem Rang und privater Notwendigkeit halten möchte. Gerade dort, wo Gray unerwünscht ist, bleibt er nützlich. Seine Stellung beruht deshalb auf mehr als körperlicher Gewalt.
Beide haben Gründe, ihre Ähnlichkeit zu leugnen. Einer beansprucht Legitimität. Der andere kann zeigen, was diese hinter den Kulissen benötigt. Das Verhältnis bleibt instabil: Der gesellschaftlich Untergeordnete besitzt womöglich die entscheidende Information.
Ausbildung gewöhnt auch an Begriffe
Ein Medizinstudent macht daraus mehr als den Streit etablierter Männer. Ausbildung bedeutet auch zu lernen, wie Dinge heißen, was man duldet und welche Fragen man nicht mehr stellt. Berufliche Prägung kann zur moralischen Gewöhnung werden.
Das Monster steckt hier in einem rechtfertigbaren Ablauf. Den Lieferanten unsympathisch zu finden reicht nicht. Bleibt die Arbeit anständig, wenn ihr unangenehmer Teil nur knapp außerhalb des Blickfelds geschieht?