Ein Telefon ist praktisch, weil dich jemand erreichen kann. Black Christmas findet den Haken im selben Satz. Jemand kann dich erreichen. Das Gerät verbindet ein Zuhause mit der Welt, kann aber auch eine Drohung hineintragen, ohne den Anrufer deiner Kontrolle auszusetzen. Abheben schafft Kontakt. Beruhigung liefert es nicht mit.
Bob Clarks Film von 1974 handelt von jungen Frauen in einem Verbindungshaus während der Weihnachtszeit. Verstörende Anrufe gehören zu einer Geschichte, in der bedroht zu werden und ernst genommen zu werden zwei verschiedene Probleme sind. Die Feiertage verschärfen diesen Gegensatz: Gewöhnliche Erwartungen an Gesellschaft und Wohlwollen bestehen weiter, während eine zunehmend unerwünschte Aufmerksamkeit in den Alltag dringt.
Eine Stimme überschreitet Grenzen
Bei körperlicher Gefahr denken wir meist an Eingänge. Ein Anruf umgeht diese beruhigende Vorstellung einer Grenze. Die Empfängerin hört den Übergriff, kann ihn aber nicht wie einen Besucher überprüfen. Eine Stimme kommt ohne die üblichen Informationen an, die einen anderen Menschen einordnen helfen: ein Gesicht, eine sichtbare Entfernung, einen nachvollziehbaren Grund für seine Anwesenheit.
Dieses Ungleichgewicht macht den Ausgangspunkt bereits unheimlich, ohne spätere Entdeckungen des Films verraten zu müssen. Der Anrufer kann wählen, wann er Kontakt aufnimmt. Die Zuhörerin muss mit deutlich weniger Anhaltspunkten entscheiden, was dieser Kontakt bedeutet. Ein vertrauter Haushaltsgegenstand gibt plötzlich einem Beteiligten erheblich mehr Freiheit als dem anderen.
Dass mehrere Menschen in dem Haus leben, fügt dem Horror etwas hinzu. Mehr Bewohnerinnen sollten mehr Zeuginnen, mehr Gesellschaft und bessere Unterstützung bedeuten. Nähe allein garantiert aber weder, dass eine Warnung verstanden wird, noch dass alle sie gleich deuten oder eine Behörde sie mit ausreichender Dringlichkeit behandelt.
Gehört zu werden ist erst der Anfang
Ein bedrohlicher Anruf verlangt eine unangenehme Einordnung. Ist es Belästigung, ein geschmackloser Scherz oder eine glaubhafte Gefahr? Diese Unterschiede sind wichtig. Trotzdem sollte die angerufene Person keinen lückenlosen Beweis liefern müssen, damit ihre Angst Aufmerksamkeit verdient. Wer auf vollständige Gewissheit wartet, kann die ganze Unsicherheit bei der bedrohten Person abladen.
Hier hat der Ausgangspunkt mehr Biss als die schlichte Beobachtung, dass Telefone gruselig sein können. Die Kommunikation funktioniert: Die Nachricht kommt an. Was fehlt, ist ein verlässlicher Weg, dieses Wissen in Schutz zu verwandeln. Kontakt kann sofort entstehen, während Hilfe an Bedingungen gebunden bleibt.
Black Christmas gibt einem Alltagsgegenstand eine hässliche Doppelfunktion. Das Telefon ermöglicht Zugang zu anderen Menschen und macht deren Zugang zu dir schwer kontrollierbar. Die Weihnachtsstimmung hebt diese Spannung nicht auf. Sie macht unsere Erwartung eines freundlichen Kontakts zu ihrem Bestandteil. Manche Anrufe sollte man annehmen. Eine Garantie für die Person am anderen Ende liefert keiner.
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